2. Georg Rendl Symposion "Priester-Mistbeete"
Priesterberufungen im deutschen Sprachraum
St. Georgen bei Salzburg 7.- 10. Oktober 2004
Leitung: Dr. Andreas Maislinger


Ein-Berufung – nicht ganz klassisch

Da ich in letzter Zeit wenig über meine Berufungs-Geschichte nachsann, muss ich erst wieder verschiedene Erinnerungen zum Leben erwecken.

Mit Freude denke ich an meinen Ministrantendienst zurück: wenn ich nicht irre, war das ab den Jahren 1965/66 – in den Filialkirchen Ober- und Untereching im salzburgischen Flachgau (Pfarrgemeinde St. Georgen bei Salzburg). Unser damaliger Kaplan – und jetziger Heimatpfarrer und –dechant Ignaz Binggl – fragte mich am Ende der Volksschulzeit, ob ich nicht gerne ins Borromäum (Kleines Seminar) in der Stadt Salzburg gehen würde, was ich dankend ablehnte.

In der Zeit der Pubertät legte ich dann auch meinen sporadischer ausgeübten Ministrantendienst zurück. Nach dem Durchlaufen der Hauptschule in Oberndorf bei Salzburg absolvierte ich die Bundeshandelsakademie I in der Stadt Salzburg. Während dieser Zeit wuchs mein Interesse für Philosophie, Politik, aber auch für Mystisches. 1977/78 war für mich 8-monatiger Präsenzdienst in Wals-Siezenheim bei Salzburg angesagt: Mitläufer-Syndrom. Am Ende dieser Zeit wollte ich dann weder mit dem Militär weiterhin etwas zu tun haben, noch mit der Institution Kirche. Von damals datiert auch der falsch adressierte Austrittsbrief aus der Kirche. (Anfang der 80er Jahre wurde ich dann beim 2. Versuch vor der Zivildienstkommission nachträglich als Zivildiener anerkannt, nachdem der erste Versuch wegen fehlender Gesetzesgrundlagen scheiterte.)

Oktober 1978 übersiedelte ich dann zum Studium der Philosophie und Völkerkunde nach Wien; daneben interessierte ich mich dann aber auch noch für Politik, Geschichte, Tibetologie,... Mein religiöses Interesse war aber während dieser Zeit nicht eingeschlafen, sondern ziemlich wach. So passt es dann, dass ich mich bald in einer Yoga-Gemeinschaft im 19. Wiener Bezirk einfand. Wenn ich mich jetzt nicht irre, wurde diese Gemeinschaft von einer durch ein KZ gegangenen Jüdin geleitet. Hier gab es irgendwie spirituelle Religionenkunde – fast ein Pendant zur Religions-Ethnologie an der Universität. Das Mitleben in dieser Gemeinschaft hatte dann für mich offensichtlich die Wirkung eines Katalysators. (Anscheinend nicht nur für mich, denn es gibt mindestens noch 2 andere Männer, die später Priester wurden!) Denn es tauchte während dieser Zeit immer wieder die innere Frage nach dem Priesterwerden an mich heran. Zuerst während meines sommerlichen Ferialjobs im Hotel Modul im 19. Bezirk, dann aber auch in der Zeit als ich als Nachtportier im Hotel Amadeus im 1. Wiener Bezirk werkte. Schließlich warb ich auch vor dem AudiMax der Universität Wien für diese Yoga-Gruppe; man kann ja schließlich seine Überzeugungen nicht nur für sich behalten. Hier geschah es dann, dass mich JESUS ganz klar fragte, ob ich nicht für IHN arbeiten möchte. Das führte zu einem inneren Konflikt. Denn nun musste ich mich entscheiden, entweder Yoga-Lehrer und Philosoph werden oder Priester. Theologie studieren aber wollte ich nur, wenn ich Priester werde, sonst nicht. Schließlich entschied ich mich im Gebet für den Weg, bei dem ich mehr inneren Frieden und innere Freude empfand. (Es ist vielleicht wichtig hier hinzuzufügen, dass ich doch immer eine persönliche Beziehung zu JESUS CHRISTUS pflegte, und auch Seine Hilfe konkret erfuhr.)

Da ich mir selber aber misstraute, wollte ich nicht sofort ins Priesterseminar eintreten, sondern testen, ob diese Entscheidung keine windige Angelegenheit ist. So begann ich nun mit den von mir so genannten „Akklimatisierungs-Übungen“, denn so ganz geheuer war mir die Angelegenheit noch nicht. Das hieß dann: den Griechisch-Kurs besuchen; das Theologie-Studium beginnen; sich wieder in die Liturgie – als Ministrant in der Anna-Kirche im 1. Wiener Bezirk – eingewöhnen; an der charismatischen Gebetsgruppe in der Postgasse – bei den Dominikanern – teilnehmen,... Schließlich trat ich doch im Juli 1986 ins Wiener Priesterseminar – unter Regens Dr. Josef Toth - ein, mit dem festen Willen, als geweihter Priester wieder aus dem Seminar hinauszugehen. Am 4. Juni 1989 – dem Tag, an dem der sprießende demokratiepolitische Frühling am Pekinger Platz des Himmlischen Friedens niedergewalzt wurde – wurde ich im Wiener Stephansdom durch Weihbischof Dr. Karl Moser zum Diakon geweiht. Ebenfalls im Stephansdom erfolgte dann die Priesterweihe – am 29. Juni 1990 – durch Erzbischof Dr. Hans Hermann Kardinal Groer.

Von September 1990 - August 1993 wurde ich als Kaplan in St. Othmar/Mödling eingesetzt, einer lieblichen Stadt in Niederösterreich, südlich von Wien. Die Zeit vom September 1993 – August 2000 verbrachte ich als Kurat für die Erlöserkirche in der Propstei- und Hauptpfarre (Dom) Wiener Neustadt, d.h. im (ehemaligen) Industrieviertel Niederösterreichs. Dort erreichte mich dann die Bitte von Erzbischof Dr. Christoph Kardinal Schönborn, die Pfarre Auferstehung CHRISTI, Wien 5 zu übernehmen. Als Draufgabe (neben meiner Unerfahrenheit als Pfarrer) wurde ich im Herbst 2000 auch noch zum Dechant für den 4. und 5. Wiener Bezirk gewählt. September 2002 wurde ich zu einem der „Lehrpfarrer“ für Priester-Seminaristen – gemäß dem „Wiener Modell“ – berufen.

Jetzt heißt es verdammt aufpassen, denn als sogenannter Amtsträger bin ich extrem gefährdet, viel Asche zu produzieren und darüber das alles Entscheidende, nämlich das himmlische Feuer zu vergessen.

Franz Scharl
Wien, 17./18. August 2004



 
 st. georgen
 aktuell
 programm
 anmeldung
 archiv
 sponsoren
 links
 kontakt
 geistliche berufungen
 georg rendl
 rendl- jahr 2003
 rendl- gesellschaft
 start
 english
 
Seitenanfang