Aktuell

2. Ignaz-Glaser-Symposion:
Sprache(n) und Integration

Gemeindezentrum Bürmoos, 19. April 2008

Im Zusammenhang mit dem Thema „Sprache und Integration“ wird häufig auf
die geringe Sprachkenntnis der Zuwanderer hingewiesen. Es ist natürlich
völlig richtig, dass Kenntnisse der Landessprache Voraussetzung für die
Integration sind, dass, mit anderen Worten, Integration nur über die
gemeinsame Sprache, in unserem Land also über Deutsch, möglich ist.

Nicht selten werden vor allem die mangelnden Deutschkenntnisse von
türkischen Kindern beklagt. Es ist meiner Ansicht nach tatsächlich zu
kritisieren, wenn türkische Familien - oder Familien anderer Herkunft -
ihre Kinder richtiggehend abschotten und ihnen so die Möglichkeit nehmen,
korrektes Deutsch zu lernen.

Das 2. Ignaz-Glaser-Symposion will aber nicht nur diese Situation
problematisieren, sondern den Blick auf die „andere Seite“ richten. Wie
ist das eigentlich, wenn man in eine völlig fremde Umgebung kommt, niemanden
versteht und doch irgendwie zurechtkommen muss? Wie erging es der ersten
Generation der so genannten „Gastarbeiter“, die wir in den 50er und 60er
Jahren angeworben haben? Wir benötigten dringend Arbeitskräfte, über
den Spracherwerb der Türken und Jugoslawen machte man sich wenig bis keine
Gedanken. Sie waren für nicht sehr anspruchsvolle Arbeiten bestimmt und
sollten nur als Gäste für einen begrenzten Zeitraum bei uns bleiben.

Wie ist es also, wenn man in eine fremde Umgebung kommt und kein Wort der
dortigen Landessprache versteht? Wer ein Land bereist, dessen Sprache er
nicht spricht, und dann niemanden findet, mit dem er sich in einer
Drittsprache, etwa auf Englisch, unterhalten kann, hat wahrscheinlich eine
Idee davon, was es bedeutet, sich nicht verständigen, meist sogar nicht
einmal verständlich machen zu können. Während zwei Wochen Urlaub mag
das noch amüsant sein. Was das für die erste Gastarbeiter-Generation
bedeutete, darüber berichten beim 2. Ignaz-Glaser-Symposion Österreicher,
die vor 20, 30 und mehr Jahren ohne Deutschkenntnisse aus ihrer Heimat zu
uns gekommen sind.

Bürmoos entstand durch Zuwanderung 1881 nach der Gründung der Glasfabrik
durch Ignaz Glaser. Die Arbeiter kamen aus den verschiedensten Gebieten
Österreich-Ungarns. Bürmoos konnte also als Gemeinschaft nur durch die
Aneignung der gemeinsamen Sprache entstehen. Deshalb werden als
„Vergleichsgruppe“ Bürmooser verschiedenster Herkunft über ihre
Erfahrungen berichten.

Das 2. Ignaz-Glaser-Symposion versteht sich daher als Fortsetzung und
Konkretisierung des 1. Symposions 2006. Es wird wieder um verschiedene
Herkunft und gemeinsame Zukunft gehen, nur diesmal konzentriert auf die
gemeinsame Sprache als unverzichtbares Mittel der Integration.

Andreas Maislinger

 


© 2006 Andreas Maislinger
 
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